21. Dezember 2011

Nahaufnahme

Kirsten Krüger im Labor

Die Zeiten sind fast überall vorbei, in denen Laborantinnen
als Hilfskräfte behandelt werden und
Arbeiten ausführen, für die sich Wissenschaftler
zu schade sind. Heute verrichten sie qualifizierte
Tätigkeiten, gehen mit moderner Technik um und
helfen, Forschung effektiver zu gestalten. Zu jenen
guten und kreativen Geistern im Labor gehört
Kirsten Krüger.
Von Dr. Barbara Eckardt

erschienen in:
Portal - Die Potsdamer Universitätszeitung, 03/11


Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, an
der Universität Potsdam zu arbeiten“,
sagt die Berlinerin Kirsten Krüger und
lobt das Miteinander und die Möglichkeiten,
sich in die wissenschaftliche Arbeit einbringen
zu können. Gestartet ist die gelernte Chemielaborantin
2008 an der Uni mit einem zellmikrobiologischen
Praktikum. Die Initiative dazu
ergriff sie selbst nach der Kindererziehungszeit,
das Arbeitsamt finanzierte das Praktikum.
Daraus ergab sich für sie, als chemisch-technische
Assistentin bei dem Physiker Carsten
Beta arbeiten zu können. Seit April 2009 ist
sie nun im Institut für Physik und Astronomie
drittmittelfinanziert auf einer halben Stelle im
Projekt „Quantitative Untersuchung der eukaryotischen
Chemotaxis“ beschäftigt. Der Professor
suchte eine qualifizierte Kraft, die ohne
große Einarbeitungszeit die Forschungen im
Labor unterstützt. Zu den Aufgaben der dreifachen
Mutter gehören mikrobiologische Arbeiten
und mikroskopische Untersuchungen. Sie
stellt bakteriologische Zellkulturen her und
nimmt selbst an Experimenten teil. Sie küm-

mert sich aber auch um das Labor, „räumt“ auf,
macht Warenbestellungen und sieht nach dem
„Rechten“. Sie spürt, dass sie gebraucht und
anerkannt wird. Dazu trägt die enge Zusammenarbeit
mit den Doktoranden des Institutes
bei. „Ich habe hier die Chance bekommen,
mich ‚auszutoben’ und aktiv mitzugestalten,
und das macht mich zufrieden.“ Ihren vielschichtigen
Interessen und dem Bedürfnis,
den „Kopf einzusetzen“, kommt entgegen,
dass sie in verschiedenen Wissenschaftsgebieten
arbeitet. Von der Chemie über die Biologie
bis zur Physik. Ihr Engagement führte dazu,
dass sie seit August dieses Jahres auf einer weiteren
halben drittmittelfinanzierten Stelle bei
Prof. Hans-Gerd Löhmannsröben im Institut
für Chemie im Projekt „Innovative faseroptische
Spektroskopie und Sensorik innoFSPEC“
als technische Assistentin arbeitet. Auch hier
kann die 43-Jährige die Erfahrungen auf unterschiedlichen
Gebieten sehr gut nutzen, die sie
in ihrem bisherigen Berufsleben als Pharmareferentin,
in der Polizeitechnischen Untersuchungsanstalt
Berlin oder in einer Kinderarztpraxis
sammelte.
Zur Zufriedenheit von Kirsten Krüger trägt
erheblich bei, dass sich durch die flexible
Zeiteinteilung die Betreuung der elfjährigen
Tochter und der vierzehn- beziehungsweise
sechzehnjährigen Söhne gut mit ihrer
Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Das weiß
sie genauso zu schätzen wie das angenehme
Klima in ihren Arbeitsgruppen. Technische
Laboranten werden gebraucht, sind Teil der
Forschungsteams. Ihre Arbeit ist wichtig, „weil
wir ergänzend zu den Forschungen der Wissenschaftler
tätig sind und ihnen mit den sich
ständig wiederholenden Arbeiten den Rücken
frei halten können“, sagt Kirsten Krüger. Ihre
Kinder spüren das und sind stolz darauf, dass
die Mutter an der Universität Potsdam arbeitet.
Als Ausgleich zu ihrer anspruchsvollen Arbeit
und um ihre kreative Seite auszuleben, betätigt
sie sich als Hobby-Fotografin. Gemeinsam mit
ihrem Lebensgefährten fotografiert sie insbesondere
Porträts und marode Gebäude. „Dabei
sammle ich Kraft und bekomme den Kopf
frei.“ Einige ihrer Fotos konnte sie kürzlich in
ihrer ersten Ausstellung in Berlin-Kreuzberg
der Öffentlichkeit präsentieren. „Das macht
mich glücklich und gibt mir Bestätigung.“

Dateien:
Portal_okt2011_web_final_01.pdf162 K